Atlantiktörn

 Törnbericht: Atlantiküberquerung

Im November 2002 bekam ich (Peter) eine überraschende
Einladung an Bord der RASMUS (Oyster 62) auf der Atlantikroute von Gran Canaria nach St. Lucia im Rahmen der ARC mitzusegeln. Die Woche vor dem Start in Las Palmas war sehr anstrengend. Viele Parties, technische Arbeiten am Boot und der Einkauf der Verpflegung hielten uns auf Trab.

Endlich Start der über 200 Schiffe. Gleich in der ersten Nacht hat uns zwar ein kräftiger SW gebeutelt und die Fische bekamen auch etwas zu essen. Aber danach hatten wir kräftigen Passat mit allerdings hohen Wellen. Im Nordatlantik tobte ein Sturm mit Hurrikanstärke. Dadurch waren Dünung und Windsee gemischt, aber man gewöhnt sich an die Bewegungen.

Später haben wir sogar Kohleintopf gekocht und eigentlich
immer gut gegessen. In der Tiefkühltruhe gab es Schweinebraten und Minifrikandellen von der S
chwiegermutter gekocht. Im Boot
konnte man alles machen und hat dann die Bewegungen vergessen. Kam man wieder ins Cockpit wunderte man sich über

die hohen Wellen hinter dem Heck. Nur das Schlafen war erschwert, trotz Kojensegel musste man sich an der Matraze festkrallen.

Nach einer Woche wäre eine Unterbrechung der Reise auf den Kapverden sehr angenehm gewesen. Inzwischen war das Segeln,

die Wachen und der Schlafmangel zur Routine geworden und die restliche Zeit von noch fast 2 Wochen war doch etwas lang. Eine schöne Abwechslung an Bord war das Angeln und die Zubereitung von dem frischen Fisch. Zusätzlich lagen jeden Morgen einige fliegende Fische an Bord. In Mehl gewendet und gebraten eine

Delikatesse.

Die Astronavigation ohne grossen Aufwand mit der Mittagsbreite (sehr genau +-2sm) und der Mittagslänge (ungenau +-15sm) haben wir auch einige Male eingesetzt. Ansonsten waren noch zusätzlich zum GPS drei Hand-GPS und die Seenotboje mit GPS an Bord.
Goldmakrelenengl. Dolphin waren sehr beissfreudig und im Backofen gegart eine Delikatesse.

Viele Schiffe hatten Schäden an den Segeln oder am Rigg zu beklagen. Wir sind sehr defensiv gesegelt. Oft sogar nur mit Genua. Der Wind war in der Richtung sehr stabil und schwankte in der Stärke zwischen 5-7 Bft. Nachts haben wir immer etwas gerefft wegen der Schauerböen und damit verbundener Winddrehungen. Die müden Augen der Nachtwache konnten nur schwer die Schauerböen erkennen. Einige Boote haben es wohl mit Radar versucht. Wir konnnten auf dem Radar auch Schauerwolken erkennen, aber nicht besonders deutlich.

Getrübt wurde die Stimmung durch den Tod eines Seglers auf einer englischen Yacht, der trotz Lifebelt

über Bord ging und ertrank. Der Bruder war danach allein an Bord. Den Toten hat er der See übergeben. Andere Boote haben geholfen und zwei Mann zur Crewverstärkung übergesetzt, damit er die Fahrt in die Karibik fortsetzen konnte. Zurück gegen den Wind wäre wohl unmöglich gewesen. Dies war der erste Tote in den 17 Jahren der ARC.

Ein anderes Boot (Hunter 45) hat das Ruder verloren und danach auch das Notruder. Wegen Wassereinbruch hat das Ehepaar das Boot daraufhin zusammen mit ihrem Schäferhund verlassen. Boote in der Nähe haben die Leute aufgenommen. Die Hilfe durch andere Boote der ARC-Flotte war sehr schnell und umfassend. Wir standen 90 sm westlich und hätten notfalls gegen den Wind auch in ca 1 Tag helfen können. Wir haben mit der weinenden Frau telefoniert, aber es bestand zu dem Zeitpunkt keine akute Gefahr.
Marigot Bay

Die Ankunft (lang erwartet) war dann ein grosses Erlebnis.
Endlich Land, eine freundliche Begrüssung und der erste Rumpunsch. Wir haben es sehr genossen. Schade, dass damit die Reise zu Ende ging. Gern hätte ich auf unserer eigenen Kasinga und mit Karin zusammen die Inseln „abgeklappert“. Allerding wäre dann alles nicht so „easy“ gewesen. Die Vorbereitungen wären aufwendig und teuer gewesen, z.B Versicherung für Karibik mit Hurrikanzuschlag; wie kommt das Schiff zurück? usw.

Es war eine schöne Zeit auf St. Lucia. Der erste Spruch beim Einlaufen war “be happy”. Frische Früchte
lieferte George an Bord. Auch nicht so teuer wie gedacht. Auf St Lucia sind die Preise ähnlich wie in Deutschland. Schöne Buchten, zB. Marigot Bay und die nächsten Inseln immer in Sichtweite, dazu perfekter Segelwind.

Ich kam dann gerade noch rechtzeitig zum Eisregen und zum Weihnachtsfest in Hamburg an. Bereits in Paris war Nebel, Stau auf dem Weg zum Umsteigeflugplatz und Smog. Dazu noch die fehlenden Stunden bei dem Nachtflug aus der Karibik. Zusätzlich noch eine dicke Nase durch die Viren aus der Klimaanlage. Was sollte ich eigentlich hier. Wenn Karin nicht gewesen wäre…